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Verletzte Menschen verletzen Menschen

Und verletzte Menschen werden verletzt

Hurt people, hurt people und Hurt people, get hurt

Über verletzte Seelen, verletzende Dynamiken
und den stillen Ausstieg aus alten Mustern

Ein Abend zwischen Stille und Erkenntnis

Sonja sitzt noch am Küchentisch.
Das Licht ist gedimmt, der Rotwein steht da, wo er oft steht, und bleibt unangetastet. Ihr iPhone liegt mit dem Display nach unten. Ruhemodus ab 21:30 Uhr. Eine neue Regel. Keine Heldentat. Eher Schadensbegrenzung.

Normalerweise hätte sie sich jetzt noch in ihre Serie fallen lassen. Dieses angenehme Wegdriften, bei dem man so tut, als würde man entspannen, während der Kopf leise weiterarbeitet. Aber heute nicht. Heute lässt sie die Gedanken laufen. Ungebremst. Wie einen Hund ohne Leine.

Florian.
Der Ausbruch heute Morgen.
Die Praktikantin Tina, die nach wenigen Minuten weinend den Raum verlassen hat, später stumm an ihrem Schreibtisch saß, als hätte jemand den Ton aus ihr herausgedreht.

Nicht geschlagen.
Nicht angeschrien im klassischen Sinn.
Aber emotional überrollt, entwertet, eingeschüchtert.

Eigentlich ist Florian ein netter Kerl, denkt Sonja. Und genau dieser Gedanke macht alles komplizierter, nicht einfacher.

Vorhin noch das Telefonat mit Klara. Keine Analyse, keine Diagnose, kein Sezieren des Geschehens. Klara sagt in solchen Momenten nur das, was trägt. Oder trifft. Oder beides.

„Hurt people, hurt people.“

Sonja legt auf und merkt: Dieser Satz ist kein Trost. Er ist ein Spiegel. Und Spiegel sind selten bequem.

Hurt people, hurt people – warum das mehr ist als ein Kalenderspruch

Der Satz klingt harmlos. Abgegriffen. Wie etwas, das auf Kissen gedruckt wird oder unter Instagram-Posts steht, die man eigentlich nicht speichern will. Und doch beschreibt er eine der zuverlässigsten Dynamiken menschlicher Beziehungen.

Menschen, die innerlich verletzt sind, geben diesen Schmerz weiter. Nicht, weil sie böse sind. Sondern weil sie es nicht anders gelernt haben. Weil Überforderung, Unbewusstheit und innere Not keine guten Berater sind.

Psychologisch ist das kein Zufall, sondern ein Muster. Ein ziemlich stabiles sogar.

Im Inneren passiert selten nur eine Sache. Es ist eher ein unschöner Cocktail aus alten Kränkungen, Scham, Schuldgefühlen, Dauerstress und einem Nervensystem, das schon lange nicht mehr weiß, wie Entspannung sich anfühlt.

Wer innerlich unter Daueranspannung steht, verliert den Zugang zur Selbstregulation. Und wer sich selbst nicht regulieren kann, reguliert andere. Mit Lautstärke. Mit Macht. Mit Abwertung. Oder mit diesem feinen, giftigen Tonfall, der sagt: Du bist falsch.

Florian hat sich in diesem Moment nicht bewusst entschieden, gemein zu sein. Er war überflutet. Emotional, innerlich, nervlich.

Das erklärt sein Verhalten.
Es entschuldigt es nicht.

Anja Maria Stieber - Coaching Mentoring - Mindshift empowerment for success and happiness

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Warum verletzte Menschen ausrasten

Ein emotionaler Ausbruch ist selten ein Zeichen von Stärke. Auch wenn er sich manchmal so anfühlt. Meist ist er ein Notfallmechanismus. Das psychische Äquivalent zum Sicherungskasten, der durchknallt.

Neurowissenschaftlich betrachtet übernimmt in solchen Momenten das emotionale Gehirn. Die Amygdala schlägt Alarm, der präfrontale Kortex, zuständig für Reflexion, Empathie und Selbstkontrolle, geht offline. Kampf, Flucht oder Starre. Dazwischen gibt es wenig Platz für Anstand.

Im Kampfmodus sind die Ergebnisse:  impulsive Worte, Aggression, Schuldzuweisungen und Entwertung anderer. Nicht, weil diese Menschen schlecht sind. Sondern weil sie innerlich keinen sicheren Ort haben, zu dem sie zurückkehren können.

Viele cholerische oder narzisstisch geprägte Menschen tragen alte Verletzungen mit sich herum.

  • Frühe emotionale Brüche.
  • Bindungsabbrüche.
  • Tiefe Scham.
  • Ein Selbstwertgefühl, das mehr Fassade als Fundament ist.

Der Ausbruch ist kein Machtspiel. Er ist ein verzweifelter Versuch, sich nicht klein, nicht ohnmächtig, nicht wertlos zu fühlen. Das macht ihn erklärbar. Und gleichzeitig so zerstörerisch.

Warum Narzissmus besonders anfällig ist

Narzisstische Muster entstehen nicht aus Selbstliebe. Sie entstehen aus deren Abwesenheit. Aus einem Mangel, der gut getarnt ist.

Forschung und klinische Beobachtungen zeigen immer wieder dasselbe Bild. Narzissmus dient oft als Schutzstruktur gegen tiefe innere Verletzungen. Kritik wird nicht als Rückmeldung erlebt, sondern als Bedrohung. Scham wird nicht gefühlt, sondern abgewehrt. Meist nach außen.

Die innere Logik ist simpel und brutal:
Wenn ich dich klein mache, muss ich mich nicht klein fühlen.

Das macht narzisstische Menschen so anstrengend für ihr Umfeld. Sie externalisieren ihren Schmerz, übernehmen keine emotionale Verantwortung und projizieren Schuld konsequent nach außen. Wer mit ihnen arbeitet oder lebt, merkt schnell: Man steht ständig unter Beobachtung. Und fast immer unter Verdacht.

Und genau hier kommt der Teil der Wahrheit, über den weniger gern gesprochen wird.

Hurt people, get hurt – das übersehene Gegenstück

Nicht nur Verletzte verletzen. Verletzte lassen sich auch verletzen. Immer wieder. Und oft von denselben Typen Mensch.

Das ist unbequemer. Und deshalb so wichtig.

Bestimmte Persönlichkeiten geraten auffällig häufig an Choleriker, Narzissten oder emotional instabile Menschen. Nicht aus Pech. Sondern weil ihre eigenen Muster perfekt andocken. Wie zwei Puzzleteile, die man lieber nicht zusammensetzen sollte.

Anja Maria Stieber - Coaching Mentoring - Mindshift empowerment for success and happiness

Das Opfermuster – leise, angepasst, verantwortungsvoll

Menschen wie Tina.
Und, wenn Sonja ehrlich ist, manchmal auch sie selbst.

Hohe Empathie. Konfliktvermeidung. Ein starkes Verantwortungsgefühl für die Stimmung anderer. Angst vor Ablehnung. Und dieser alte, leise Glaubenssatz: Ich darf nicht zu viel sein.

Psychologisch nennt man das People-Pleasing, Co-Abhängigkeit oder überentwickelte Anpassungsfähigkeit. Klingt technisch. Fühlt sich im Alltag eher nach Daueranspannung an.

Diese Menschen haben früh gelernt, dass Sicherheit davon abhängt, wie gut sie sich anpassen. Sie bleiben ruhig, wenn andere explodieren. Sie erklären, relativieren, erinnern sich an das Gute im Anderen. Und zahlen einen Preis, den niemand sieht.

Selbstzweifel. Erschöpfung. Sprachlosigkeit. Innere Erstarrung.

Sonjas Erkenntnis

Sonja steht auf und schenkt den Wein zurück in die Flasche. Kein großes Drama. Eher ein stilles Nein. Sie denkt an Tina. An Florian. Und unangenehmer – an sich selbst.

Klara hatte recht. Nicht als Erklärung. Sondern als Einladung zur Verantwortung.

Nicht: Er kann nichts dafür.
Sondern: Ich bin nicht dafür zuständig.

Der 6-Punkte-Selbstcheck

Bin ich Teil dieser Dynamik?

Beantworte diese Fragen ehrlich. Nicht moralisch. Niemand liest mit.

  • Relativiere ich verletzendes Verhalten, weil ich den Schmerz dahinter sehe?
  • Fühle ich mich schnell schuldig, wenn jemand wütend auf mich ist?
  • Bleibe ich ruhig, obwohl innerlich alles Nein schreit?
  • Hoffe ich, dass mein Verständnis den anderen verändert?
  • Habe ich Angst, klar Grenzen zu setzen, weil ich dann hart wirke?
  • Erkenne ich ein wiederkehrendes Muster ähnlicher Beziehungen?

Wenn du mehr als zwei Fragen mit Ja beantwortest, bist du nicht schwach.
Du bist trainiert. Auf Anpassung.

Sechs Wege raus aus der Dynamik – ohne kalt zu werden

  1. Erkennen statt entschuldigen. Verstehen heißt nicht tolerieren. Mitgefühl ersetzt keine Grenze.
  2. Emotionale Verantwortung trennen. Seine Gefühle sind seine. Deine Grenze ist deine.
  3. Den Körper wieder einbeziehen. Opfermuster sind nicht kognitiv, sie sind nervlich. Regulation beginnt nicht im Kopf, sondern im Körper.
  4. Grenzen vor Erklärungen. Ein klares „So nicht“ wirkt stärker als zehn rationale Argumente.
  5. Den eigenen Schmerz ernst nehmen. Wer ihn übergeht, bleibt in der Rolle. Unwohlsein ist ein Signal, kein Fehler.
  6. Eine neue innere Referenz aufbauen. Nicht mehr fragen: Wie wirke ich? Sondern: Bin ich mir treu?

Ein leiser, aber radikaler Schluss

Hurt people, hurt people.
Ja.

Aber geheilte Menschen unterbrechen die Kette. Nicht durch endloses Verstehen. Sondern durch Selbstverbindung, klare Grenzen und innere Souveränität.

Sonja löscht das Licht. Sie weiß noch nicht, wie sie morgen handeln wird. Aber sie weiß etwas Entscheidendes.

Sie muss nicht Teil dieses Spiels bleiben.

Und vielleicht ist genau dieses Erinnern der erste echte Schritt Richtung Klara.

Raunächte zur inneren Souveränität

Abgrenzung – zwischen spiritueller Überlebensstrategie und reifer Empathie

Viele Menschen, besonders feinfühlige, reflektierte oder spirituell orientierte, verwechseln Einfühlungsvermögen mit Reife. Sie glauben, dass es sie besonders bewusst, besonders liebevoll oder sogar „weiter“ macht, wenn sie das Verhalten eines übergriffigen Menschen erklären können: seine Kindheit, seine Wunden, seine Geschichte. Und ja – dieses Verstehen hat eine Ursache. Es ist oft eine Überlebensstrategie. Wer früh gelernt hat, Stimmungen zu lesen, Spannungen zu entschärfen und das Gegenüber zu „verstehen“, um sicher zu bleiben, hält diese Fähigkeit später für spirituelle Größe.

Doch echte Spiritualität beginnt an einem anderen Punkt.
Nicht beim Mitleiden mit dem Täter, sondern bei klarer innerer Zuordnung.

Spirituell wird es dort, wo jemand fähig ist, ein Verhalten als übergriffig zu erkennen, ohne den Menschen zu entwerten. Wo klar benannt werden kann, was passiert. Wer gerade welche Rolle einnimmt, wer Verantwortung trägt und wo sie endet. Ohne moralisches Urteil, aber auch ohne Selbstverrat.

Gerade empathische Coaches, Führungskräfte oder Vorgesetzte stehen hier in einem Spannungsfeld. Sie sehen die Verletzung hinter dem Verhalten und verlieren dabei manchmal die Struktur. Doch Mitgefühl ohne Grenze ist keine Weisheit, sondern Diffusion. Reife Empathie bedeutet nicht, alles zu halten. Sie bedeutet, den Raum zu halten, ohne sich selbst darin aufzulösen.

Ein empathischer Mensch darf sagen:
„Ich sehe deinen Schmerz – und dieses Verhalten ist nicht in Ordnung.“

In meinen Augen ist das keine Härte.
Das ist Klarheit.

Und genau dort entsteht etwas Neues: Beziehungen und Arbeitsräume, in denen Verantwortung nicht verwischt wird, sondern trägt. In denen Verletzung gesehen wird – ohne dass sie weitergegeben werden muss.

Anja Maria Stieber - Coaching Mentoring - Mindshift empowerment for success and happiness

Bereit, tiefer zu gehen?

Wenn sich nicht nur Schubladen, sondern auch dein Inneres voll anfühlt.
Wenn du spürst, dass es nicht nur um Kram, sondern um Klarheit geht.
Dann darfst du dir Unterstützung holen.

Ich begleite dich gern dabei, nicht nur äußerlich zu sortieren, sondern auch innerlich loszulassen:
Alte Geschichten. Muster. Emotionale Altlasten, die längst keine Bedeutung mehr haben, aber Raum nehmen.

In einem kostenlosen Gespräch schauen wir gemeinsam:
Was darf gehen? Was will bleiben? Und wie geht dein nächster Schritt?

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Einfach. Unverbindlich. Und mit viel Herz.

Anja Maria Stieber - Coaching Mentoring - Mindshift empowerment for success and happiness

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